Ichius

Die Kurzgeschichte „Ichius“ wurde im Dezember 2018 in der Zeitschrift „Stadt Gottes“ veröffentlicht.

Falls du jemanden kennst, der sich über diese Geschichte freuen
würde, bitte schenke sie weiter.

Kurzgeschichte zum Thema Wertschätzung, Freude teilen und
dankbar sein

„I c h i u s“

Wir leben in dem Land der „Ichius“.
Jeder in diesem Land ist sich selbst der Nächste. Es gibt kein
grüßen, kein auf Wiedersehen, kein gutes Wort. Es gibt kein
bitte und kein danke.
Alles ist selbstverständlich. Jeder in diesem Land hat einen
hohen Zaun um sein Haus herum. Diese Menschen haben sich
eingemauert. Sie verstecken sich und ihre Gefühle hinter ihren
Mauern.
In ihren Gärten wachsen einfach so von selbst herrlich duftende
Blumen, in allen Farben und in ihrer Artenvielfalt, ein Wunder
der Natur.

Und hier beginnt meine Geschichte:
Einer der „Ichius“ wollte dieses Leben nicht mehr und begann
darüber nachzudenken. Wenn die Blumen so wie wir „Ichius“
leben würden, dann gäbe es wohl nur eine Art davon. Sie aber
leben in unterschiedlicher Gemeinschaft, auch ohne Zaun um
sich herum.

Sie verneigen sich voreinander und wünschen sich einen
Guten Morgen, einen schönen Tag und zum Schlafen gehen eine
gute Nacht. Mit ihrem Aufblühen und ihrer Blütenpracht bringen
sie ihre Freude sichtbar zum Ausdruck.
Unter ihnen gibt es keinen „Ichius“. Hier darf jeder so sein wie
er gedacht ist, so vielfältig und unterschiedlich, dass einem das
Herz aufgeht.
Diese „Lebewesen“ haben Achtung und Respekt voreinander.
Sie achten, ja sie beachten sich und zeigen mit ihrem Verhalten,
„ Schön dass du da bist, danke dass es dich gibt.“ Nie würden
sie sich absichtlich wehtun.

Alles was diese Blumen wollen ist, Freude schenken.
Werden sie gut umsorgt, bedanken sie sich durch ihre
Blütenpracht.

Wie gesagt unser „Ichius“ überlegt weiter:“ Würde ich meinen
Zaun niedriger machen, dann könnte ja der Nachbar „Ichius“
meine Blumenwiese sehen und vielleicht würde dann dieser
Nachbar „Ichius“ auch damit beginnen, so wie ich zu denken
und zu tun. Wir Beide würden unsere Freude gemeinsam teilen.
Und wenn dann noch ein weiterer Nachbar der Gattung „Ichius“
dazukäme, würde unsere Blumenwiese noch größer und noch
vielfältiger werden.“

Ach, unser „Ichius“ war jetzt zu allem bereit. Für ihn gab es kein
Zurück mehr. „Einer“, so dachte er, „Einer sollte damit
anfangen“. Das Wort „sollte“ passte noch nicht ganz.
Es sollte nicht Irgendeiner sein. Nein, es musste ein „Ichius“ mit
festem Willen sein, der sich durch niemanden und nichts von
seinem Vorhaben abbringen ließ.

So überlegte er stundenlang, wer dafür in Frage kommen
könnte.
Letztendlich wurde ihm klar,
„wenn nicht ich, wer sonst?“
Ich werde den Anfang machen. Mal schauen, wie sich mein
Vorhaben entwickelt.

Am nächsten Tag machte er sich an die Arbeit. Viele
Ziegelreihen seiner Mauer wurden abgetragen. Was er da zu
sehen bekam, ließ ihn erschauern. Alles grau in grau, keine
Farben, kein Leben, alles leblos außerhalb seiner Mauer.

Unser „Ichius“ war jedoch ein beständiges Kerlchen. Was er
einmal anfing, dass brachte er auch zu Ende und auch dieses
Mal war er sich ganz sicher.
Er pflückte einen Strauß seiner Blumen, stellte sie in eine
passende Vase und stellte sie seinem gegenüberliegenden
Nachbarn auf die Mauer.
Jetzt wartete er. Es vergingen viele Tage und er glaubte schon,
dass sein freundschaftlich gemeinter Blumengruß übersehen
und unbeantwortet blieb.

Plötzlich bemerkte er einen „Blondschopf Ichius“, der neugierig
über die Mauer schaute. Na so was, dachte unser „Ichius“, also
ich habe einen Nachbarn mit blondem Haar und so einem
freundlichen Gesicht. Wie kann das sein, dass wir noch nie ein
Wort miteinander gewechselt haben? Wie kann das sein, dass
wir uns so viele Jahre hinter einer Mauer versteckten?

„Hallo“, rief unser „Ichius“, „ wie ist dein Name lieber Nachbar“.
„In meinem Taufschein steht Fridolin.“ „Ach was für ein
fröhlicher Name, der passt genau zu dir.“ „Mich nennen sie
Florian.“ „Florian“, überlegte der Nachbar, „das ist schön“.
Florian und Fridolin, zwei „Ichius“ die keine „Ichius“ mehr sein
wollen.

Unverhofft meldete sich ein anderer „Ichius“ Nachbar. „Ihr zwei,
was gibt es denn da zu quatschen? Was habt ihr vor?“

Florian sagte: „ Wir wollen uns nicht länger hinter unseren
Mauern verstecken. Wir wollen sehen, was sich vor den Mauern
abspielt und wie du siehst, gibt es allerhand Neues zu
entdecken, oder hättest du gewusst, dass der Nachbar neben
dir Fridolin mit Taufnamen heißt.“

„Nein“, sagte der dritte „Ichius“, „was für ein fröhlicher Name,
der passt genau zu „Ihnen“ oder darf ich du zu „dir“ sagen.“
„Aber ja, natürlich!“ „Jetzt musst du mir aber auch deinen
Taufnamen sagen.“ „Ich“ und plötzlich begann der dritte
„Ichius“ zu lachen, „ich heiße Ferdinand. Wir alle drei beginnen
mit einem „F“ Fridolin, Florian und Ferdinand.“
(die 3F könnten genauso für Freiheit – Freude – Frieden stehen)

„Jetzt muss ich aber gleich noch was fragen?“ „Fridolin, was
sind so deine Vorlieben, was machst du liebend gerne.“ „Ich“,
antwortete Fridolin, „ich bin ein Gartenfreund. Ich liebe alles
was wächst und blüht.“

„Ja und du Florian, was magst du gerne.“ „Ich“, meinte Florian,
„ich bin sehr vielseitig. Ich liebe Musik und Tanz. Ich spiele mit
Wörtern und erfreue Menschen mit meinen Gedichten und
Geschichten. Leider konnte ich diese Freuden bis heute an
niemanden weiterschenken.“

Da meinte Ferdinand: „Fridolin, Florian, wie wäre es, wenn ihr zu
mir kommen würdet.
Ich bin nämlich ein leidenschaftlicher Koch und würde euch
gerne mit einem Essen aus eigener Hand verwöhnen. Die
Kräuter dazu wachsen in meinem Garten.“

„Wir sehen noch keinen Garten“, antworteten Fridolin und
Florian.
„Ach ja, die Mauer trennt uns noch voneinander.“

„Weißt du Ferdinand, wie wäre es, wenn wir vor dem Essen noch
etwas arbeiten würden.“ „Woran dachtet ihr?“ „Wie wäre es,
wenn wir die Mauern, die uns noch voneinander trennen etwas
niedriger machen würden?“ Und so war es dann auch.

Alle drei halfen zusammen und trugen Ziegelreihe für
Ziegelreihe ab.
Am Ende konnte jeder von den Dreien des Nachbars Garten in
Natura sehen. „Wie herrlich“, riefen alle drei gemeinsam.
„Jetzt brauchen wir uns nicht mehr zu verstecken. Jetzt können
wir unsere Freude auch mit anderen teilen.“

Für Fridolin, Florian und Ferdinand war die Zeit der Einsamkeit
schlagartig vorbei.
Immer mehr „Ichius“ wurden aufmerksam. Sie hörten Stimmen,
ein Lachen, ein guten Morgen wie geht es dir. Sie hörten ein
freundliches danke, schön dass du da bist, wie schön, dass es
dich gibt.

Anfänglich war da noch etwas Scheu, jedoch durch den Mut
eines Einzigen wurde auch diese Hemmschwelle überwunden
und viele „Ichius“ gesellten sich zu den Dreien dazu.

Jetzt hatten alle Namen und Gesichter. Aus dem einstigen
Versteckspiel entstand Offenheit. Aus dem einstigen Misstrauen
wuchs Vertrauen heran. Aus der einstiegen Einsamkeit wurde
Gemeinsamkeit.

Alle „Ichius“ belebten diese Gemeinschaft mit ihren Tugenden
und vielen Talenten, die sie auf dieses Erdenleben mitbrachten.

Auf einmal verstanden sie, wie schön es doch ist, Freude und
Dankbarkeit zu teilen, einfach so, ohne „will haben“.

Menschen, so zu lieben wie sie sind, ist oftmals sehr schwierig,
jedoch
erkennt man ihre wahren Werte, so kann sich ein „Ichius“ nach
dem Anderen in uns verabschieden.

„Wir sehen noch keinen Garten“, antworteten Fridolin und
Florian.
„Ach ja, die Mauer trennt uns noch voneinander.“
„Weißt du Ferdinand, wie wäre es, wenn wir vor dem Essen noch
etwas arbeiten würden.“ „Woran dachtet ihr?“ „Wie wäre es,
wenn wir die Mauern, die uns noch voneinander trennen etwas
niedriger machen würden?“ Und so war es dann auch.

Alle drei halfen zusammen und trugen Ziegelreihe für
Ziegelreihe ab.
Am Ende konnte jeder von den Dreien des Nachbars Garten in
Natura sehen. „Wie herrlich“, riefen alle drei gemeinsam.
„Jetzt brauchen wir uns nicht mehr zu verstecken. Jetzt können
wir unsere Freude auch mit anderen teilen.“

Für Fridolin, Florian und Ferdinand war die Zeit der Einsamkeit
schlagartig vorbei.
Immer mehr „Ichius“ wurden aufmerksam. Sie hörten Stimmen,
ein Lachen, ein guten Morgen wie geht es dir. Sie hörten ein
freundliches danke, schön dass du da bist, wie schön, dass es
dich gibt.

Anfänglich war da noch etwas Scheu, jedoch durch den Mut
eines Einzigen wurde auch diese Hemmschwelle überwunden
und viele „Ichius“ gesellten sich zu den Dreien dazu.

Jetzt hatten alle Namen und Gesichter. Aus dem einstigen
Versteckspiel entstand Offenheit. Aus dem einstigen Misstrauen
wuchs Vertrauen heran. Aus der einstiegen Einsamkeit wurde
Gemeinsamkeit.

Alle „Ichius“ belebten diese Gemeinschaft mit ihren Tugenden
und vielen Talenten, die sie auf dieses Erdenleben mitbrachten.

Auf einmal verstanden sie, wie schön es doch ist, Freude und
Dankbarkeit zu teilen, einfach so, ohne „will haben“.

Menschen, so zu lieben wie sie sind, ist oftmals sehr schwierig,
jedoch
erkennt man ihre wahren Werte, so kann sich ein „Ichius“ nach
dem Anderen in uns verabschieden.

Unser „Ichius“ oder wie er ja wirklich heißt, unser Florian hatte
den Mut. Durch sein “Tun“ konnte er noch viele „Ichius“ für
diese Lebensform der Mitmenschlichkeit begeistern.

In Dankbarkeit
Angela Michaela Hopf
16. Mai 2018

Author: wax-word-admin

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